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Jahrestagung der DGfZ und GfT - Aus der Arbeit der Forschungsstätten für Tierproduktion - 2022

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Nutztierzucht – heute – morgen so lautete das Generalthema der DGfZ/GfT-Jahrestagung 2022, die bei strahlendem Herbstwetter gemeinsam mit dem Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel am 21. und 22. September in Kiel stattfand. Über 250 angemeldete Teilnehmer freuten sich nach einer zweijährigen Pause auf die persönliche Begegnung und den Wissensaustausch bei guter Bewirtung. Ein gutes Coronakonzept sorgte für Sicherheit und damit für ein unvergessliches Erlebnis.

Bereits um 9:00 Uhr versammelten sich die Teilnehmer im großen Hörsaal, um der Eröffnung beizuwohnen. Der schleswig-holsteinische Agrarminister Werner Schwarz ließ es sich nicht nehmen, dem anwesenden Who is Who der Tierzuchtszene persönlich eine erfolgreiche Veranstaltung zu wünschen. Er betonte in seinem Grußwort die hohe gesellschaftliche Bedeutung der Tierhaltung, besonders vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer Probleme. Dabei sei zur Bewältigung der Herausforderungen und zur Entwicklung einer zukunftssicheren Landwirtschaft eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Bereiche unerläßlich. In diesem Zusammenhang zitierte der Minister gleichlautende Empfehlungen aus dem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates der Agrarpolitik aus dem Jahr 2015. Eine besondere Bedeutung komme daher der erforderliche Schulterschluss zwischen Agrarwissenschaftlern und den Tiermedizinern zu, so der Minister. Er ging dabei auf die kürzlich publizierte DGfZ-Stellungnahme zum Diskussionspapier Leistungen der Milchkühe und deren Gesundheitsrisiken der Bundestierärztekammer ein und sprach der DGfZ einen besonderen Dank für Ihre bedeutende Vermittlerrolle und als Plattformgeberin aus. Unser Haus wird Sie bei diesem Prozeß unterstützen.

 

Werner Schwarz ging auf weitere Ziele und geplante Vorhaben des Ministeriums zum Thema Klimawandel ein, bei deren Umsetzung ein unabhängiges Kompetenzzentrum für eine klimagrechte Landwirtschaft zur Verfügung steht. Im Anbetracht der sich ändernden gesellschaftlichen Erwartungen hinsichtlich des Tier- und Umweltschutzes bat er die Anwesenden um Unterstützung bei dem anstehenden Transformationsprozess. Sie werden gebraucht, um die zukünftigen Herausforderungen der Landwirtschaft zu bewältigen, schloss der Minister.


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Werner Schwarz, Minister für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein

Unter der Moderation von Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly von der Freien Universität Bozen spannten namhafte Referenten einen Bogen von Tierseuchen über die zukünftige Entwicklung der genomischen Tierzucht und die züchterische Weiterentwicklung von kleinen Populationen bis hin zur bedeutenden Fragestellung, ob der Veganismus wirklich ein Weg zur Weltrettung ist.


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Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly, Freie Universität Bozen

Dr. Timo Homeier-Bachmann vom Friedrich-Loeffler-Institut startete die Plenartagung mit dem hochaktuellen Thema: Tierseuchen – aktuell und am Horizont. Ob Geflügelpest oder ASP, Homeier-Bachmann gelang es, launig und dennoch eindringlich die Gefahren von Tierseuchen zu beschreiben. Besonders interessant war die Darstellung von Zusammenhängen zwischen Politik und Bekanntgabe von Seuchenständen sowie die verschiedenen Verbreitungswege. Leider spielt dabei der Mensch und die Art und Weise seiner Tierhaltung oftmals eine entscheidene Rolle in Hinblick auf die Entstehung von Zooanthroponosen,. Auch die unbabsichtigte Verbreitung von Tierseuchen durch den unachtsamen Umgang mit tiereischen Produkten trägt wesentlich zur Ausbreitung weltweit bei. Der Referent zeigte am Schluss die Schwierigkeiten auf, die die komplexen Handelsströme für die Nachverfolgung und Bewertung von Seuchen mit sich bringen.


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Dr. Timo Homeier-Bachmann, Friedrich-Loeffler-Institut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Tierseuchen – aktuell und am Horizont"

Merkmale, Marker und Methoden: Zukünftige Entwicklung in der genomischen Tierzucht lautete das Thema Professor Georg Thallers von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Mit einem umfassenden Blick wurden neue Zuchtstrategien und Herausforderungen beleuchtet. So wird erwartet, dass die schon oft empfohlene Nutzung der Kreuzungszucht zunehmen wird. Strukturierte betriebsindividuelle Zuchtentscheidungen wie z.B. der Einsatz von Fleischrinder- und gesextem Sperma, ermöglichen die Steigerung des genetischen Fortschritts innerhalb einer Herde. Notwendig sei aber auch, diese Zuchtentscheidungen zu evaluieren, wie z. B. die Analyse von ökonomischen und umweltrelevanten Auswirkungen. Infolge dessen werden ebenso neue Ansätze und Methoden für die Zuchtwertschätzung anhand von Kreuzungstieren sowie für Kreuzungstiere benötigt.

Neben der Weiterentwicklung methodischer Ansätze in den Bereichen Genomik und Merkmalsdefinition sieht Thaller auch Bedarf in der Entwicklung geeigneter Strategien für kurzfristige Anpassungen auf entsprechende Marktgegebenheiten sowie die langfristige Entwicklung der Zuchtpopulationen. Abschließend betonte der Referent nochmals, dass zukünftig die Betrachtung der Tierzucht immer mehr im Kontext gesellschaftlicher Erwartungen erfolgen und sich somit die Ausrichtung der Tierzucht noch stärker an den Forderungen der Gesellschaft orientieren wird.


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Prof. Dr. Georg Thaller, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Merkmale, Marker und Methoden: Zukünftige Entwicklung in der genomischen Tierzucht

Frau Dr. Dr. Katharina May vom der Justus-Liebig-Universität Gießen, DGfZ-Preisträgerin des Jahres 2020, stand nun als Referentin vor dem Auditorium. Engagiert informierte Sie zum Thema: Nutzen von Genotyp- und Sequenzdaten für die züchterische Weiterentwicklung von kleinen Populationen am Beispiel des Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindes (DSN).Ihr Fazit: gerade kleine, gefährdete Rassen wie das DSN zeigen eine hohe genetische Diversität in bedeutenden Regionen und rechtfertigen daher den Erhalt dieser Rassen. Der neu designte DSN 200K SNP Chip resultiert in geringfügig höheren Schätzgenauigkeiten in den Milchleistungsmerkmalen in der GZWS und hat, kombiniert mit weiteren Ansätzen , Potential zur züchterischen Weiterentwicklung beim DSN. Entscheidend ist aber die gute Betriebsstruktur und eine gute Datenerfassung für die Genauigkeit der geschätzten Zuchtwerte. Ihre Untersuchungen haben auch gezeigt, dass die Einbeziehung von Genotypen aus anderen Ländern sowie die Clusterung von Betrieben für Rassen mit kleiner Populationsgröße vielversprechend sein können.

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Dr. Dr. Katharina May, Justus-Liebig-Universität Gießen

Nutzen von Genotyp- und Sequenzdaten für die züchterische Weiterentwicklung von kleinen Populationen am Beispiel des Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindes

Online zugeschaltet fesselte Prof. Dr. Dr. habil. Wilhelm Windisch von der Technische Universität München in seiner unnachahmlichen Art das Publikum mit seinen Ausführungen zum Thema: Nutztierhaltung am Scheideweg – rettet der Veganismus die Welt? Windisch zeigte auf, warum die Nutztierhaltung - insbesondere die Haltung von Wiederkäuern - einen wichtigen Beitrag in der landwirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft einnimmt und ein kompletter Verzicht eben nicht sinnvoll ist. Man muss die Nutztiere als Verwerter der ohnehin schon vorhandenen, nicht essbaren Biomasse dazunehmen. Dann entsteht keine Nahrungskonkurrenz und man gewinnt zusätzliche hochwertige Lebensmittel, so Windisch. Die Fütterung von Monogastriern mit Getreide bedarf dagegen einer anderen Bewertung.


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Prof. Dr. Dr. habil. Wilhelm Windisch, Technische Universität München

Nutztierhaltung am Scheideweg – rettet der Veganismus die Welt?

Impressionen

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Dr. Erwin Hasenpusch, Präsident der DGfZ, begrüßte das Auditorium.

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Auch Prof. Dr. Jörn Bennewitz, Vorsitzender der GfT, begrüßte die Anwesenden.

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Prof. Dr. Georg Thaller von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hieß die Anwesenden in Kiel herzlich willkommen.

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Ausgezeichnet besucht - die DGfZ-Jahrestagung punktete wieder mit einem ausgesprochen attraktiven Programm.

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LMR a.D. Dr. Martin Hartmann , Vizepräsident der BTK, besuchte die DGfZ-Veranstaltung.

Foto v.l.n.r.: Dr. Martin Hartmann, Dr. Bettina Bongartz, Dr. Erwin Hasenpusch

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Im Foyer